Tandem Paris-Berlin: Soziokulturelle Austausche
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Artistik- und Zirkusaustausch Paris-Berlin vom 04. bis zum 10. Juli 2011 in Berlin/Brandenburg
Themen:
Zirkus, Artistik, Jugendliche für den internationalen Austausch begeistern, Förderung der Kommunikation und von Beziehungen über Sprache hinaus, des interkulturellen Verständnisses, des deutsch-französischen Dialogs und der damit verbundenen Begegnungen.
Datum und Ort
04.-10. Juli in Berlin/Brandenburg
Teilnehmer
17 Jugendliche und drei Fachkräfte aus Berlin, 16 Jugendliche und zwei Fachkräfte aus Paris
Am Montag, den 4. Juli kam die Gruppe aus Paris per Bus in Berlin an, um mit Jugendlichen aus der deutschen Hauptstadt an einem einwöchigen Austausch ganz im Zeichen des Zirkus teilzunehmen. Nach Begrüßung der Teilnehmer durch Mitarbeiter des Centre Français de Berlin und die Projektpartner des Zirkus Zack ging für die Teilnehmer aus Paris die Reise weiter nach Rüdersdorf, wo sie den Ort des Austausches kennenlernen konnten: den „Wiesenzirkus Bunter Hund“, der in der kleinen Stadt in Brandenburg seinen festen Sitz hat. Dort trafen die zwei Gruppen aus Paris und Berlin erstmals zusammen und bezogen nach einer herzlichen Begrüßung ihre Zirkuswagen, in denen sie gemeinsam die Woche übernachten würden. Daraufhin gab es zunächst ein paar Kennenlernspiele und Sprachanimationen, bei welchen schnell deutlich wurde, dass sich die Jugendlichen auch trotz der Sprachbarriere sehr gut verstehen würden und die Basis für einen bereichernden Austausch gegeben war.
Dieses Programm wurde dann im Laufe des Tages weitergeführt, um zum einen die jeweils anderen Teilnehmer genauer kennenzulernen, zum anderen, um die Fähigkeiten und Arbeitsweisen der deutschen und französischen Zirkusgruppen zu entdecken. Als in diesem Bereich erste Tricks und Kunststücke aufgeführt und ausgetauscht waren, setzten sich alle Teilnehmer zusammen, um über die Abschlussvorstellung zu sprechen, welche am Samstag stattfinden würde. Diese sollte von den Jugendlichen komplett selber konzipiert, inszeniert und durchgeführt werden; daher wurde schon am ersten Tag ein Thema festgelegt. Auch hier verständigten sich die Jugendlichen ohne Probleme auf einen Ablauf; damit aber trotzdem die sprachliche Flexibilität und lückenlose Kommunikation gewährleistet waren, begleiteten neben den Zirkus-Fachkräften auch deutsche und französische Übersetzer das Seminar.
Auch der Dienstag und die darauf folgenden Tage standen natürlich ganz im Zeichen des Zirkus. Bis einschließlich Freitag probten die Teilnehmer im Wiesenzirkus und bereiteten die Abschlussvorstellung für Samstag vor. Jeder dieser einzelnen Trainingstage war von einem ähnlichen Tagesablauf geprägt: Nach einem gemeinsamen Frühstück leiteten die Betreuer den Tag mit einem gemeinsamen Warm-up ein, das dazu diente, die Jugendlichen körperlich und mental auf das bevorstehende Training vorzubereiten. Im Sinne eines „Muscles-Bones-Mind-Body“-Aufwärmens wurde die Zirkusarbeit gemeinsam begonnen, was nicht nur im fachlichen, sondern auch im interkulturellen Bereich sehr lehrreich für die Teilnehmer war und darüber hinaus eine Basis für das schnelle Knüpfen von Beziehungen schuf. Daraufhin wurde täglich ein Clownerie- und Theaterblock angeboten, welcher sich an alle Beteiligten richtete. Dann wurde in den verschiedenen Workshop-Gruppen in den Bereichen Jonglage, Akrobatik, Luftartistik und Equilibristik an den Aufführungen für Samstag gearbeitet. Dabei konnte jede Gruppe ihre Fähigkeiten zeigen und in die gesamte Vorstellung einbringen. Bei der Arbeit in den Workshops wurde natürlich darauf geachtet, dass sowohl deutsche als auch französische Jugendliche nicht nur gemeinsam in einer Gruppe trainierten, sondern gemeinsam auch Kunststücke einübten.
Auf diese Weise standen den Jugendlichen täglich zahlreiche artistische Möglichkeiten zur Verfügung, durch welche sie ihre Fähigkeiten im Bereich des Zirkus verbessern und erweitern konnten. Die intensive Arbeit in den Gruppen hat aber vor allem dazu geführt, dass sich unter den deutschen und französischen Teilnehmern schnell Freundschaften gebildet haben und so bereichernde Begegnungen ermöglicht wurden.
Dieser Aufenthalt im Wiesenzirkus fand bereits am 8. Juli seinen ersten Höhepunkt. Nachdem den ganzen Tag weitergeprobt worden war, konnte man zum ersten Mal das selbst inszenierte Stück und somit das Ergebnis der deutsch-französischen Zirkusarbeit bestaunen: Um 18 Uhr wurde in Rüdersdorf eine öffentliche Generalprobe durchgeführt, bei welcher die lokale Bevölkerung zusehen konnte. Diese Generalprobe zeigte, wie stark die Gruppe zusammengewachsen und von welch hoher Qualität ihre
Arbeit war. In nur wenigen Tagen wurde ein beeindruckendes Stück kreiert, bei welchem die Jugendlichen von den Kostümen über die erzählte Geschichte bis hin zu den einzelnen Kunststücken alles selbst gestaltet und erarbeitet haben.
Am Samstag stand der deutsch-französischen Gruppe der große Tag bevor. Nach letzten Besprechungen in Rüdersdorf galt es, am Vormittag sowohl die Requisiten als auch die Teilnehmer nach Berlin zu bringen, wo in der Theaterkapelle in Friedrichshain die Abschlussvorstellung stattfinden würde. Nach Besichtigung der Räumlichkeiten begann auch schon das Aufwärmen für den großen Abend. Hier trafen die deutschen und französischen Teilnehmer auch endlich die letzte an dem Projekt teilnehmende Gruppe Zirkusartisten aus Sankt Petersburg. Nach letzten Besprechungen und Übungen wurde es dann ernst für die bunte gemischte Truppe: Um 18 Uhr begann vor vollem Haus die Abschlussvorstellung des Austausches, und sie war für alle Teilnehmer und Zuschauer ein wirklicher Höhepunkt. Auf der Bühne konnte man Jugendliche bestaunen, die nicht nur eine unglaubliche Energie ausstrahlten und beeindruckende Kunststücke vorführten, sondern die sich auch ohne Worte perfekt verstanden haben und als Gruppe eng zusammengewachsen waren. Dieser Zusammenhalt war für alle spürbar und tauchte den Abend in ein ganz besonderes Licht. Die Gruppe konnte nicht nur selbst durch diesen Austausch etwas ganz Besonderes erleben, sondern sie konnte auch den Zuschauern etwas von ihrer Erfahrung zurückgeben und sie eine tolle Vorstellung bestaunen lassen.
Nach diesem fast magischen Moment, den die Teilnehmer sichtlich genossen, trennten sich die Wege der Teilnehmer noch nicht: Auf der Schatzinsel gab es für alle Beteiligten einen Abschiedsabend, bei dem gegrillt, gelacht und gefeiert wurde.
Am Sonntag, den 10. Juli hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, noch einen letzten Tag ganz im Zeichen des Austausches zu verbringen. Nach einer gemeinsamen Besichtigung der Stadt Berlin, bei welcher die klassischen Sehenswürdigkeiten sowie angesagte Viertel besucht wurden, ging es für die deutschen und französischen Zirkusartisten zu der Vorstellung der russischen Jugendlichen, welche sie am Vortag bei der Abschlussvorstellung kennen gelernt. Auch dieser Besuch rief große Begeisterung hervor und war für die deutsch-französische Gruppe ein schöner Abschluss der gemeinsamen Woche. Um 19 Uhr ging es dann schließlich für die Teilnehmer aus Paris auf die Heimreise. Der Abschied war für die Jugendlichen sichtlich schwer, denn alle waren während des Projektes eng zusammengewachsen; allerdings gab es auch einen Grund zur Freude: Die Teilnehmer waren von dem Projekt so begeistert, dass sie es nächstes Jahr wiederholen möchten diesmal in Frankreich.
Das Projekt war insgesamt für alle Teilnehmer sehr bereichernd. Im Bereich des Zirkus, aber vor allem im Bereich der interkulturellen Begegnungen konnten die Teilnehmer viele wertvolle Erfahrungen sammeln.
Das Motto des Austausches, nämlich „Parlez-vous“, konnte nicht treffender sein. Den Jugendlichen wurde während der gemeinsamen Zeit vermittelt, dass Sprache keine Barriere sein muss, sich anderen Kulturen und Ländern zu öffnen. Die unterschiedlichen Sprachen wurden hier zum Abenteuer und waren Teil des gegenseitigen Entdeckens. Die Neugier auf das Neue weckte in dieser Gruppe eine Dynamik, die in dieser Form selten zu finden ist. Die Jugendlichen teilten ihre Leidenschaft für eine gemeinsame Sache und diese wurde nicht in Worten ausgedrückt, sondern in Gefühlen. Was alle Teilnehmer vereinte, war die Liebe zum Zirkus. Und der hat seine ganz eigene Sprache, die des Teilens und des Lachens.
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