Tandem Paris-Berlin: Integration und Chancengleichheit
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Jugend- und Fachkräfteaustausch „Berufliche Orientierung und Integration“
vom 15.-21. März in Paris/Ile-de-France und vom 21.-28. März 2010 in Berlin
Im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin Paris/Ile-de-France und des Programms „Integration und Chancengleichheit“ organisierte das Centre Français de Berlin zusammen mit der Mission Locale (Jugend-beratungshaus) Gennevilliers vom 15.-21. März in Paris und vom 21.-28. in Berlin einen Jugend- und Fachkräfteaustausch. Der Austausch wurde dabei im Vorfeld mit der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wis-senschaft und Forschung sowie dem Deutsch-Französischen Jugendwerk abge-stimmt. Das Austauschprojekt wurde mit Mitteln des DFJWs, dem Land Berlin, der Region Ile-de-France und der Stadt Gennevilliers kofinanziert. Die Teilnehmer/-innen waren arbeitssuchende Jugendliche zwischen 17 und 25 Jahren und kamen von den Jobcentern Tempelhof-Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzberg und Marzahn-Hellersdorf auf Berliner Seite bzw. von der Mission Locale de Gennevilliers auf französischer Seite. Sie befanden sich entweder auf der Job- bzw. Ausbildungssuche oder in Weiterbildungs- und Aktivierungsmaßnahmen. Am Austauschprojekt beteiligten sich neben den 20 Jugendlichen (10 auf beiden Seiten) auch vier Fachkräfte Berufsberater/-innen und Sozialpädagogen - an dem zweiwöchigen Austausch, um sich fachlich über die Jugendsozialarbeit beim Übergang von Schule zu Beruf auszutauschen.
Ziel des Austausches war zum einen der Erfahrungsaustausch der Jugendlichen und Fachkräfte untereinander, das Kennenlernen der anderen und eigenen Kultur und Lebenswelt sowie eine vertiefte berufliche Orientierung durch Besuche von Unternehmen, jungen Freiberuflern, Berufsausbil-dungszentren und Jugendeinrichtungen. Dabei wurden die Jugendlichen ermutigt, selbst einen aktiven Part in der Programmgestaltung zu übernehmen, indem die Teilnehmer/-innen im Vorfeld durch Vorbereitungstreffen gezielt vorbereitet wurden. Ferner wurde zu Beginn den Jugendlichen ein „Carnet de voyage“ ein Reisetagebuch ausgeteilt, wo sie täglich ihre Erfahrungen, Eindrücke und Gedanken schriftlich dokumentieren sollten.
In Gennevilliers wurden die Berliner am Montag sehr herzlich von ihrer franzö-sischen Partnergruppe bei einem Buffet empfangen. Nach der Programm-präsentation und dem gegenseitigen Kennenlernen ging es zu einem jungen Gitarrenbauer, der seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat und den Jugendlichen passioniert von seinem Beruf erzählte. Am Dienstag besuchten die Jugendlichen den Pariser Hafen, der in Gennevilliers an-gesiedelt ist und ein wichtiger Arbeitgeber für die Stadt darstellt, bevor im Anschluss ein Workshop im Veranstaltungssaal der Stadt zur Körpersprache mit Vertrauens-übungen zum besseren Kennenlernen durchgeführt wurde.
Am Mittwoch besuchte die Gruppe gemeinsam am Vormittag die „Cité de l’immigration“, das Museum zur Einwanderung, um mehr über die Einwanderungsgeschichte Frankreichs und deren Hintergründe zu erfahren. Am Nachmittag wurde sie im französischen Sénat (vergleichbar mit dem Bundesrat) von der Senatorin des Départements Hauts-de-Seine der Region Ile-de-France empfangen. Während eines Rundgangs wurden die Bedeutung der Institution und das politische System Frankreichs dargestellt. Die Jugendlichen durften dabei sogar in den Plenarsaal Platz nehmen, da zu der Zeit gerade in Frankreich die Regionalwahlen stattfanden und er dementsprechend für Besucher frei zur Verfügung stand. Am Abend wurden die Jugendlichen dann vom Bürgermeister von Gennevilliers in der Mission Locale begrüßt, der im Anschluss auch den kulturellen Abend mit einer Live-Band eröffnete. Am Donnerstag besuchte die Gruppe den jungen Gastronom Idriss, der aus der Arbeits- und Orientierungslosigkeit seine ganze Energie und Leidenschaft in den Aufbau eines eigenen Restaurants steckte und den Jugendlichen Rede und Antwort stand. Nach einem Besuch des lokalen Theaters, wo u.a. die einzelnen Berufe der Künstlerbranche vorgetragen wurden, besuchten die Jugendlichen dann am Abend eine Vorführung in der Eiskunsthalle. Im Anschluss hatten sie die Möglichkeit, Schauspieler und Regisseure zu treffen. Der Freitag war dann der letzte „offizielle“ Programmtag, da am Samstag die Jugendlichen Freizeit hatten und ihren Tag zusammen mit den Franzosen selbst organisierten. Am Vormittag besuchte die Gruppe ein Ausbildungszentrum, wo u.a. auch über die Unterschiede des Schul- und Berufsausbildungssystem in beiden Ländern diskutiert wurden. Anschließend präsentierte ein junges Paar aus dem Medienbereich ihre Zeichentrickfilme und animierte Kurzfilme, mit denen sie sich selbstständig gemacht haben. Nach einem positivem Feedback zur Zwischenbilanz der Teilnehmer/-innen ging es zum Abschluss dann in das Louvre-Museum, bevor die Jugendlichen sich dann in deutsch-französischen Gruppen in das Pariser Nachtleben stürzten.
Nach der freien Programmgestaltung am Samstag und dem Rück- bzw. Hinflug der Gruppe von Paris nach Berlin trafen sich alle Teilnehmer/-innen bei schönstem Wetter am Montagfrüh im Centre Français de Berlin wieder. Nach den Begrüßungs-worten, der Programmpräsentation und den Sprachanimationsspielen ging es zur Schnitzeljagd, die von den Berliner Ju-gendlichen vorbereitet und umgesetzt wurde, durch Berlin-Mitte. Interessant war zu sehen, wie die Berliner vor ein paar Tagen noch Gäste nun die Gastgeber-rolle übernahmen.
Am Dienstag ging es dann zum Sportjugendzentrum Lychi im Prenzlauer Berg, wo dann gemeinsam ein soziales Teamtraining und ein Parcour im Dachseilgarten mit Klettern absolviert wurden. Dies wurde von den Jugendlichen sehr gut angenommen, inzwischen hatten sich viele der Teilnehmer/-innen sehr gut mit ihren französischen und deutschen Jugendlichen angefreundet. Am Nachmittag wurde das Fachglasverarbeitungsunternehmen Bartelt & Sohn oHG besucht, das eine sehr spannende Präsentation mit Rundgang organisierte, welches die Jugendlichen beeindruckte. Am Mittwoch besuchte die Gruppe dann die Berufsakademie Schmöckwitz in Neukölln - einem Ausbildungszentrum für Hotellerie und Gastronomie. Nach einer Präsentation des Hauses mit den verschiedenen Ausbildungsbereichen leg-ten die Jugendlichen dann selbst aktiv Hand an und bekamen die Basics beim Tischaufdecken für festliche Veranstalt-ung beigebracht. Am Nachmittag präsentierte dann das Wandgestaltungs- und Graffitiunternehmen „art-efx“ ihre Arbeit einem Arbeitsbereich, welcher die Jugendlichen faszinierte.
Am Donnerstag empfing das Deutsch-Französische Jugendwerk die Jugendgruppe zu einer Präsentation der verschiedenen Programme und Fördermöglichkeiten und einer kurzen Sprachanimation. Am Nachmittag besuchten sie das Jobcenter Tempelhof-Schöneberg, wo die eindeutigen Unterschiede der Fördersysteme zwischen Deutschland und Frankreich herauskristallisiert wurden. Am Abend fand in der Jugendeinrichtung „Dünja“ in Moabit ein informeller interkultureller Abend mit Buffet statt, wo sich die Jugendlichen und Facharbeiter vor Ort austauschen konnten. Am Freitag stellten sich die Französischen Wandergesellen mit ihren verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten vor. Nach einer kurzen Führung durch die Ufa-Fabrik wurde zum Abschluss noch ein Sambaworkshop mit Vertretern der Gruppe „terrabrasilis“ durchgeführt.
In der allgemeinen Feedbackrunde wurde das Austauschprojekt von den betroffenen Jugendlichen und Fachkräften sehr positiv bewertet und es wurde deutlich, dass bei den Jugendlichen durch das Programm etwas hängen geblieben war. Auch untereinander kamen die Jugendlichen trotz Sprachbarrieren sehr gut miteinander klar, was sich auch in der gemeinsamen Freizeitgestaltung widerspiegelte. Auch wenn zum Abschluss die Konzentration einiger Teilnehmer/-innen ein wenig nachließ, ist das Jugendaustauschprojekt mit der unüblichen und in der Regel schwer erreichbaren Zielgruppe als Erfolg zu bewerten. Drei französische Jugendliche planen ein Praktikum oder Jobaufenthalt in Deutschland und die Mission Locale de Gennevilliers wird einen Berliner Praktikanten in Zukunft bei sich aufnehmen. Außerdem wurde die Begegnung sehr gut photographisch dokumentiert, welches nun in Paris bzw. Berlin jeweils im Rahmen einer Ausstellung, z.B. im Jobcenter Friedrichshain-Kreuzberg, präsentiert werden soll.
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