Tandem Paris-Berlin: Soziokulturelle Austausche

>> Tanztheater „Urban Dance“ | >> Deutsch-französisches Theaterprojekt „Puck“ | >> Theateraustausch Berlin-Paris | >> Bandaustausch mit Musikworkshop | >> Fête de la Musique 2008 | >> Bewegte Bewegung | >> HipHop-Tanzaustausch | >> Musikalische Tournée | >> Artistik- und Zirkusaustausch Paris-Berlin

Soziokulturelle Austausche: Musikalische Tournée in Berlin und Brandenburg m it der Pariser Gruppe Lucid Dream und der Berliner Gruppe Mental Masturbation vom 3. bis 8. Juli 2010

Seit drei Jahren gibt es zwischen den Städten Paris und Berlin eine stabile musikalische Partnerschaft, die es Jugendlichen aus beiden Ländern ermöglicht, sich zu treffen und gemeinsame künstlerische Aktivitäten zu entwickeln.

In diesem Rahmen ermöglichten das Centre Solidarité Angèle Mercier de Paris, die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, die Jugendabteilung der Stadt Paris, das Deutsch-Französische Jugendwerk und das Centre Français de Berlin zwei jungen Amateurbands, Lucid Dream und Mental Masturbation, eine vier Tage währende musikalischen Tournee durch Berlin und Brandenburg. So hatten die jungen Musiker vom 3. bis 8. Juli 2010 das Vergnügen, jeden Abend auf einer anderen Bühne aufzutreten, in soziokulturellen Zentren, die der Stiftung SPI angehören.

Ziel dieses Projekts war es, ein interkulturelles Treffen um die gemeinsame musikalische Aktivität herum zu gestalten. Ebenfalls sollte es Interesse für das andere Land, die andere Kultur wecken, die Region Brandenburg erlebbar machen, die Teilnehmer für eine Fremdsprache sensibilisieren und ihnen Lust machen, den Spracherwerb zu intensivieren und schließlich Amateurbands die Möglichkeit geben, sich darzustellen und ihr musikalisches Können zu verbessern.

Samstag, 3. Juli

Federal Minister Ms Ursula von der LeyenDie Mitglieder der Gruppe Lucid Dream, begleitet von Mathieu Vivier vom Centre d’animation Solidarité Angèle Mercier, wurden am Vormittag am Flughafen Schönefeld vom CFB empfangen.

Danach ging es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Hotel des CFBs im Wedding und sie hatten die Gelegenheit, den Stadtteil näher zu erkunden und fehlendes Material in einem Musikladen zu kaufen. Das erste Treffen mit der Gruppe Mental Masturbation fand am Nachmittag statt. Gemeinsam sahen sie das Fußballspiel Deutschland-Argentinien und machten sich dabei miteinander bekannt. Wenn auch am Anfang eine gewisse Distanz zu spüren war, so entspannte sich die Atmosphäre doch rasch und die sechs Musiker fingen an, sich auszutauschen. Die Gesprächsthemen betrafen natürlich vor allem die Musik.

Am Abend ging die Unterhaltung beim Genuss einer Berliner Spezialität, dem Döner Kebab, im Bezirk Kreuzberg weiter. Anschließend besuchten beide Gruppen eine WG-Party, wo Jugendliche verschiedener Nationalitäten den anderen Gästen unterschiedliche Vorführungen (Theater, Marionetten, Musik) darboten. Der Abend wurde mit einer Jam Session beendet.

Sonntag, 4. Juli

Um 10 Uhr trafen sich die Jugendlichen vor dem CFB, um den Flohmarkt am Mauerpark zu entdecken, ein sonntägliches Berliner Ereignis, welches man nicht versäumen sollte. Gegen 14 Uhr trafen sich die beiden Gruppen und ihre Begleiter am Centre Français de Berlin wieder. Nachdem sie den Minibus mit allen Instrumenten beladen hatten, ging es los zum ersten Ort der Tournee: dem OFFI in Bad Freienwalde, nordöstlich von Berlin. Die Musiker konnten gleich nach ihrer Ankunft die anderen geladenen Gruppen kennenlernen. Ein Saaltechniker gab ihnen einige hilfreiche Ratschläge, wie man ein Technik-Rider konzipiert, wie ein Soundcheck und wie die Kommunikation zwischen Musikern und Technikern bei der Vorbereitung eines Konzerts ablaufen sollte.

Diesen Erklärungen folgte der erste Soundcheck der Tournee, der nicht ohne Überraschungen für den Techniker des Jugendzentrums ablief. Die Gruppe Lucid Dream benutzt nämlich Instrumente und Accessoires (Effektpedale, Ipod, Nintendo DS), durch die die Beschallung komplizierter wird. Daher war diese Erfahrung auch für die Techniker des OFFI sehr bereichernd. Gegen 19 Uhr eröffnete dann die lokale Gruppe Helio (alternativer Deutschrock) den Abend, gefolgt von Surface, einer jungen Metal-Gruppe aus Seelow.

Federal Minister Ms Ursula von der LeyenMental Masturbation betrat danach die Bühne und spielte ihre dynamischen und sehr rhythmischen Eigenkompositionen. Diese Musiker sind Auftritte gewohnt und wirkten dadurch recht sicher. Obwohl nur wenige Zuhörer erschienen waren, zögerten die jungen Pariser nicht, die deutsche Gruppe durch Tanzen anzufeuern. Der Abend fand seinen Abschluss mit Lucid Dream und ihren psychedelischen, klangverzerrten Stücken. Sie selbst waren ein bisschen enttäuscht von ihrem Auftritt, aber die Musiker von Mental Masturbation waren begeistert von den Klangeffekten und der Originalität ihrer Kompositionen. Nach diesem ersten gemeinsamen Konzert wuchs der Zusammenhalt der beiden Bands.

Montag, 5. Juli

Nach dem Frühstück in der Jugendherberge Freienwalde ging es dann zum nächsten Ort der Tournee: Potsdam. Auf dem Weg kurzer Halt an der polnischen Grenze und am Schiffshebewerk Niederfinow wurde eine Pause eingelegt, um das riesige Stahlkonstrukt zu bestaunen.

Nach und nach entwickelte sich eine echte Freundschaft zwischen den Musikern. Sie fingen an, sich Wortspiele in beiden Sprachen beizubringen, und es wurde sehr viel gelacht. Die Fahrten im „Tourbus“ waren ein großer Spaß.

Nach ihrer Ankunft im Kulturzentrum Lindenpark am Nachmittag konnten die beiden Gruppen in einem der Säle des Zentrums proben. Die Bühne war im Freien aufgebaut, und zwischen Soundcheck und Konzert wurde eine öffentliche Jam Session organisiert. So konnten sich alle Musiker bereits musikalisch austauschen und über die Musik Verbindungen aufbauen. Verschiedene Musiker fingen gleich an, ein Stück zu improvisieren. Gegen 20 Uhr begann dann das Konzert mit Without Lenny, einer jungen lokalen Rockgruppe.


Bei diesem Konzert zeigte Lucid Dream bereits mehr Selbstsicherheit als beim Auftritt des Vorabends. Nach ihrem Konzert sprachen sie im Interview auf der Bühne von ihren Eindrücken von der Tournee und trauten sich, ihre Begeisterung mithilfe einiger deutscher Wörter auszudrücken, was das Publikum sehr freute. Ihnen folgte die Gruppe Fosburyflop mit Stücken aus der Pop-, Soul- und Jazzrichtung.

Danach kam Mental Masturbation mit ihren mitreißenden Stücken. Die Stimmung war sehr gut und das Publikum konnte gleichzeitig Musik hören und das Essen vom Grill genießen. Anschließend wurde diese Gruppe ebenfalls vom CFB interviewt. Max, der Gitarrist, verriet, dass die deutschen Musiker sich sehr gut mit den französischen „verrückten Hunden“ verstünden und dass die Tournee eine sehr bereichernde interkulturelle Erfahrung sei. Maggies Farm aus Potsdam und ihre Coversongs der erfolgreichen Lieder von Rage Against the Machine war die letzte Gruppe des Abends. Die deutsch-französische Truppe war in der Jugendherberge Potsdam untergebracht.

Dienstag, 6. Juli

Abfahrt am späten Vormittag nach Berlin, um technisches Zubehör aus dem Proberaum von Mental Masturbation zu holen. Dann ging es nach Senftenberg, südwestlich von Berlin, für die dritte Etappe der Tournee.

Angekommen im Kulturzentrum Pegasus konnten die Gruppen direkt ihre Ausrüstung aufbauen und zum Soundcheck übergehen. Dann wurde auf dem Basketballfeld von Pegasus ein wenig Sport getrieben. Dort lernten sie andere Jugendliche des Zentrums sowie eine Gruppe junger Mazedonier kennen, die an einem europäischen interkulturellen Austauschprojekt teilnahmen.

Gegen 20 Uhr eröffnete Mental Masturbation das Konzert. Der Saal war voller als an den Vorabenden, was die allgemeine Stimmung und die Motivation der Gruppen natürlich positiv beeinflusste. Es folgte Lucid Dream, die sich deutlich von der Stimmung mitreißen ließ und sehr entspannt wirke. Dieses dritte Konzert hat gezeigt, dass der Austausch über den Erwerb interkultureller Kompetenzen hinaus auch die Souveränität der Musiker bei Live-Auftritten verbessert hat. Lucid Dream wurde an jedem Abend sicherer und besser und fand auch immer mehr Spaß an den Auftritten vor Publikum. Die Musiker baten dann ihren Betreuer Mathieu auf die Bühne, um bei ihrem Cover des Archid Fire-Liedes das Gitarrensolo zu spielen.

Als letzte Gruppe traten die ortsansässige HipHop-Combo Maniac’s auf. Dieser vielseitige Abend war ein großer Erfolg für alle drei Gruppen, die sich trotz der Unterschiede in ihren musikalischen Stilen zu ihren gegenseitigen Auftritten gratuliert haben. Es war interessant, die verschiedenen Kommentare aus beiden Gruppen der Tournee zu hören. Während Lucid Dream von den Ratschlägen von Mental Masturbation, die mehr Erfahrung mit Live-Auftritten hatten, sehr profitierten, stellten sich die Berliner nun angesichts dieser jungen, sehr charismatisch wirkenden Pariser Gruppe Fragen über ihre eigenen Bühnenauftritte. Die Gruppe übernachtete anschließend in der Jugendherberge in Senftenberg.

Mittwoch, 7. Juli

Am letzten Tag hatten alle die Gelegenheit, sich an einem der zahlreichen Brandenburger Seen zu erholen. Nach dieser Ruhepause machte sich die Gruppe auf den Weg zu ihrem letzten Konzert, das im Werk 9 in Berlin-Mitte stattfand.

Ein Halt beim Info-Café Berlin-Paris gab ihnen die Möglichkeit, eine Präsentation der verschiedenen Programme des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) mit einigen Sprachanimationen kennen zu lernen.

Gegen 18 Uhr kamen die beiden Bands und ihre Betreuer im Jugendzentrum Werk 9 an. Da das Halbfinale der Weltmeisterschaft und das Konzert zum selben Zeitpunkt anfangen sollten, hatte das Organisationsteam des Werk 9 beschlossen, das Konzert nach dem Spiel beginnen zu lassen. Das Programm wurde ein bisschen geändert und das Spiel wurde vor dem Konzert auf einer Großbildleinwand gezeigt. Trotz der deutschen Niederlage und der Ermüdung hatten die Gruppen weder Energie noch Lust am Musizieren verloren und gaben an diesem letzten Konzertabend noch einmal ihr Bestes.

Federal Minister Ms Ursula von der LeyenUm das Publikum wieder ein bisschen aufzumuntern, spielte Lucid Dream zuerst. Die Franzosen waren in Hochform. Während des Konzerts konnte man eine wunderbare Geste miterleben: Als Orson mitten im Stück eine Saite riss, sprang Max von der deutschen Gruppe auf die Bühne, um ihm seine Gitarre zu geben; so konnte fast ohne Unterbrechung weitergespielt werden. Dieser Moment hat die Solidarität, die im Laufe des Austausches zwischen den deutschen und französischen Musikern entstanden war, noch einmal verdeutlicht. Mental Masturbation trat schließlich vor einem Stammpublikum des Werk 9, das die Gruppe gut kannte, auf. Wie zuvor bei Lucid Dream wurden auch hier die jungen Pariser gebeten, für einen letzten gemeinsamen Auftritt auf die Bühne zu kommen.

Anschließend saßen beide Gruppen noch eine ganze Weile zusammen, um das in den Tagen zuvor Erlebte zu diskutieren, sich an die schönen Momente zu erinnern Der Kontakt, der innerhalb einer Woche zwischen diesen Jugendlichen entstand, war stark und intensiv, und alle hätten diese Tournee gern noch fortgesetzt. Als alle E-Mail- und Myspace-Adressen und Telefonnummern ausgetauscht waren, fuhren die Pariser zum Centre Français de Berlin zurück, um dort ihre letzte Nacht zu verbringen.

Donnerstag, 8. Juli

Am nächsten Morgen ging es noch auf zu einem Spaziergang durch Kreuzberg; dann wurden die jungen Pariser und Mathieu von ihren Freunden von Mental Masturbation zum Flughafen begleitet.

Ein großer Dank geht an alle Teilnehmer und Förderer dieses unvergesslichen Austausches.


Fotos: Centre Français de Berlin


Aktuelles | Jobs, Praktika und Anzeigen | Das CFB | Team | Geschichte | Galerie | Club CFB | Wegbeschreibung | Vermittlungsbüro | Mobilitätshilfe | Trainings | Realschulprojekt | Praktikum im CFB | Frz. Praktikumsvertrag | Programm Voltaire | Häufig gestellte Fragen | Erfahrungsberichte | Bewerbung | Jugend- und Fachkräfteaustausch | Soziokulturelle Austausche | HipHop-Austausch | Kurzfilm Paris-Berlin | Partizipation | Integration und Chancengleichheit | Berufliche Orientierung und Integration | Sport | Kooperationsvertrag | Entimon | Hotel- und Tagungsbereich | Brasserie | Ab nach Frankreich | Paris-Berlin | Archiv (Download) | Partner und Links | Kontakt | Impressum