Tandem Paris-Berlin
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Berufliche Orientierung und Integration, Mobilität, berufliche, kulturelle und sprachliche Sensibilisierung.
Einblick in berufliche Perspektiven im Bereich Ökologie, Sport und Bildung.
Zeitraum und Ort:
Vom 06. bis 19. März 2011 in Berlin
Teilnehmer:
22 Jugendliche und 5 Fachkräfte aus verschiedenen „Missions locales“ der „Ile de France“ und der FSJler der Sportjugend Berlin.
Dank der Unterstützung des DFJW, der Region Ile-de-France, des Landes Berlin, der Missions Locales und der Stadt Pantin fand der Austausch in Zusammenarbeit mit dem Verein MO.O.V.E (Mobilité Orientation vers l’emploi), den Missions Locales de la Lyr (Pantin) und Rosny-sous-Bois, der Sportjugend Berlin und der UFA Fabrik statt. Bei den französischen Teilnehmern handelte es sich um junge Arbeitssuchende zwischen 18 und 23 Jahren, die von den teilnehmenden Missions Locales begleitet und unterstützt wurden. Auf deutscher Seite nahmen Absolventen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs im Bereich Sport und Bildung aus Berlin teil. Auch sie befinden sich in einer beruflichen Orientierungsphase nach dem Abitur. Die 5 Begleiter konnten durch diesen Austausch wichtige Erfahrungen sammeln und sich über die Herausforderungen und Vorteile interkultureller Begegnungen im Hinblick auf berufliche Orientierung, Mobilität und Integration für Jugendliche mit Benachteiligung austauschen.
Hauptziel des Austauschs war es, den Jugendlichen die Möglichkeit zu bieten, sich anderen Kulturen gegenüber zu öffnen und durch dieses Erlebnis die Persönlichkeit und die interkulturellen Fähigkeiten jedes Einzelnen zu stärken. Darüber hinaus sollte dieser Austausch auch dazu beitragen, berufliche Mobilität attraktiv zu machen, sowie die berufliche Orientierung der Jugendlichen durch das Entdecken der verschiedenen Berufe im Bereich Ökologie und Sport zu fördern. In diesem Sinne gestaltete sich die erste Woche im Zeichen der Ökologie, der Entwicklung der nachhaltiger Energiegewinnung und den verschiedenen damit zusammenhängenden Berufsmöglichkeiten. In diesem Zusammenhang wurden ökologische und kulturelle Zentren besichtigt, sowie ein Unternehmen im Bereich nachhaltiger Energieerzeugung (Solarenergie) In der zweiten Woche lag der Fokus zusätzlich auf dem Bereich Sport und berufliche Bildung. Die Gruppe konnte zahlreiche Sportclubs und Vereine sowie ein Berufsbildungszentrum in Wedding besuchen.
Täglich fanden Sprachanimationen statt, die nicht nur dazu beitrugen, sich der jeweils anderen Kultur zu nähern, sondern auch einen gruppendynamischen Prozess zu fördern. Diese Veranstaltungen waren sowohl in sprachlicher Hinsicht als auch hinsichtlich der Förderung sozialer Kompetenzen ein großer Erfolg. Die Jugendlichen waren mit Interesse und Begeisterung bei der Sache. Zu Anfang wurde ein Vokabelheft verteilt, welches dazu dienen sollte, neu gelernte Wörter schriftlich festzuhalten. Zwischen den deutschen und französischen Jugendlichen entwickelte sich so auf natürliche Art und Weise ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Die französischen Jugendlichen und ihre Begleiter kamen am Sonntag, den 06. März in der UFA Fabrik in Berlin-Tempelhof an. Dieser Tag sollte zunächst der Orientierung und einem ersten Entdeckungsrundgang in der Stadt dienen. Das offizielle Programm startete am darauffolgenden Morgen mit einem Willkommensgruß in der UFA Fabrik, einem Rundgang durch das Gelände sowie mit einem Kennenlernspiel. Die UFA Fabrik, interkulturelles Zentrum mit zahlreichen ökologischen Projekten, hat bei den Jugendlichen durch das Entdecken der verschiedenen technischen Möglichkeiten, die es ermöglichen nach ökologischen Prinzipien zu leben und zu wirtschaften (autonome Energieversorgung, begrünte Dächer, Isolierung der Gebäude mit natürlichen Materialien, Nutzung des Regenwassers, etc.) ein starkes Interesse hervorgerufen.
Centre Français de Berlin
März 2011
Um sich mit der Stadt Berlin näher vertraut zu machen, traf sich die Gruppe danach zu einer Stadtführung, um den kulturellen und geschichtlichen Rahmen eines Austauschs in der deutschen Hauptstadt zu betonen. Die Gruppe startete am Checkpoint Charly, ging dann zum Potsdamer Platz, besuchte das Holocaust Mahnmal, das Brandenburger Tor, um schließlich beim Gendarmenmarkt, einem starken Symbol der deutsch-französischen Freundschaft, den Rundgang zu beenden. Nach einer weiteren Nacht im Gästehaus der UFA Fabrik ging es am Dienstagmorgen darum, ein im Zeitalter der Industrialisierung größtenteils verloren gegangenes traditionelles Handwerk zu entdecken: das Brotbacken im klassischem Holzofen. Hier konnten sowohl die deutschen wie die französischen Jugendlichen ihrer Kreativität freien Lauf lassen, die selten gewordene Praxis zu entdecken. Am Nachmittag traf sich die gesamte Gruppe in einem Musikzentrum für Jugendliche, in welchem in vier Workshops Stücke geprobt wurden, um sie zum Schluss vor den anderen aufzuführen. Dabei wurden die Ateliers von Jugendlichen geleitet. Dieser Besuch wurde von allen Jugendlichen als sehr bereichernd empfunden, manche entdeckten Talente, die sie in sich nie vermutet hätten. Abends wurden die am Morgen gebackenen Brötchen für ein typisch deutsches Abendbrot verwendet.
Am dritten Tag stand der Besuch eines Kulturzentrums auf dem Programm, wo unterschiedliche ökologische, soziale und kulturelle Projekte angeboten wurden. Am Abend schließlich fand eine Führung durch die Berliner Unterwelt am Gesundbrunnen statt, wo die Jugendlichen einen Eindruck eines Teils der Geschichte Deutschlands erhalten konnten. Das Thema des darauffolgenden Tages umfasste die nachhaltige Entwicklung im Bereich Solarenergie und damit einhergehende berufliche Perspektiven. Der Besuch des weltweit viertgrößten Unternehmens im Bereich Forschung, Entwicklung und Produktion von Solarenergie, SOLON, ermöglichte es den Jugendlichen, einen Teil der damit verbundenen Berufe zu entdecken. Einige von ihnen interessierten sich bereits vor dem Aufenthalt für berufliche Möglichkeiten in diesem Sektor, durch diesen Besuch wurde es ihnen ermöglicht, eine klarere Vorstellung von den verschiedenen beruflichen Möglichkeiten in diesem Bereich zu erhalten. Der letzte Tag des offiziellen Programms der ersten Austauschwoche wurde mit einer Vorstellung des Ökowerks im Grunewald eingeleitet. Dort eröffneten sich neue Aspekte der Umweltlehre: Die Bedeutung der Artenvielfalt und des Schutzes der Arten und des Wassers. Beendet wurde der Tag mit einem Spaziergang auf den Teufelsberg, eine künstliche Erhebung, entstanden aus dem Schutt des Zweiten Weltkriegs; dort stehen heute die Ruinen einer verlassenen amerikanischen Spionagestation aus der Zeit des Kalten Krieges. Das Wochenende stand allen zur freien Verfügung. Die deutschen Jugendlichen nahmen sich die Zeit, den Franzosen die Stadt sowie das Berliner Nachtleben zu zeigen.
Die zweite Woche startete in den Räumlichkeiten des DFJW mit einer Sprachübung zum Thema Vorurteile zwischen Frauen und Männern, sowie einer Präsentation verschiedener Möglichkeiten für einen deutsch-französischen Austausch und für berufliche Mobilität finanziell unterstützt zu werden. Der Nachmittag wurde sportlich im Dachseilgarten des Sportzentrums Lychi verbracht. Um den vorgegebenen Parcours zu durchlaufen waren Teamgeist und Kommunikation gefragt. Am Dienstagmorgen wurde die Gruppe im CFB mit der Vorführung des Films „Wer lernen will, muss reisen voyager pour apprendre“ empfangen. Dieser Film zeigt die verschiedenen Austauschprogramme, die im Rahmen des Tandems Paris-Berlin organisiert wurden und macht aus der Perspektive von vier jungen Leuten deutlich, wie bereichernd interkulturelle Austausche sein können. Der Nachmittag wurde zu einer weiteren sportlichen Aktivität genutzt: einem Judo Training.
Im SOS-Berufsausbildungszentrum im Wedding wurde am Mittwoch unter anderem über die Unterschiede im deutschen und französischen Bildungssystem gesprochen sowie über die verschiedenen Ausbildungsberufe. Am vorletzten Tag besichtigte die Gruppe die interkulturellen Gärten „Pyramidengarten“ in Neukölln. Dieser Besuch zeigte den Besuchern, wie Angehörige mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund in einem Kiez miteinander leben und sich gemeinsam engagieren. Danach ging es zum ehemaligen Flughafen Tempelhof, ein geschichtsträchtiger Ort, der eine weitere Möglichkeit bot, das Wissen über die Geschichte Deutschlands zu vertiefen. Beendet wurde schließlich das offizielle Programm am Freitag mit einem Besuch der „Regenbogenfabrik“ in Berlin-Kreuzberg. Dieses Hausprojekt empfängt heute Nachbarn, Familien, Kinder und Jugendliche und bietet ihnen zahlreiche Aktivitäten und Unterstützung, insbesondere in rechtlichen Fragen.
Eine gemeinsame Feedbackrunde wurde im Anschluss daran abgehalten und fiel insgesamt sehr positiv aus. Trotz der Müdigkeit in der zweiten Woche und dem sich ständig verschlechternden Wetter wurden alle Besuche und Aktivitäten mit Begeisterung aufgenommen. Manche haben bei den Jugendlichen Fragen aufgeworfen und ihnen die Möglichkeit geboten, neue Formen gesellschaftlicher Projekte zu entdecken und sich inspirieren zu lassen. Einer der wesentlichen Aspekte des Austausches war aber die Begegnung zwischen den jungen Deutschen und Franzosen, die sich sehr schnell kennenlernten und die viel Zeit auch außerhalb des offiziellen Programms miteinander verbrachten. Die Sprachbarriere fiel nach kurzer Zeit und war letztendlich eher ein Ansporn für die Jugendlichen, ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen. Dieses Treffen hat nicht nur dazu beigetragen, die interkulturelle Kompetenzen ein jeden Einzelnen zu fördern, sondern auch die Persönlichkeit und das Selbstbewusstsein zu stärken. Die gemeinsamen Erlebnisse unter den Jugendlichen während des Austausches haben dazu geführt, dass sie sich Gedanken gemacht haben über ihr eigenes Leben, ihre Wünsche und ihre eigenen Zukunftsvorstellungen.
Ein Rückbesuch wird 2012 in Paris stattfinden und schon ungeduldig von allen Teilnehmern erwartet.
Centre Français de Berlin
März 2011
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